Tarifkonflikt

Warnstreik bei Wellformat Wellpappe

Der Betriebsrat von Wellformat Wellpappe in Herford und der IG-BCE-Bezirk Münster-Bielefeld bemühen sich schon seit Jahren, mit der Geschäftsführung in Verhandlungen für einen Haustarifvertrag einzusteigen. Bisher ohne dabei auf ein offenes Ohr zu stoßen. In den frühen Morgenstunden des 20. März haben sich die rund 50 Beschäftigten aus der Nacht- und Frühschicht vor den Toren ihres Betriebes nun lautstark für ihre Interessen eingesetzt.

Leo Kölzer

Warnstreik bei Wellformat Wellpappe Im März hat der Bezirk Münster-Bielefeld die Beschäftigten von Wellformat Wellpappe zu einem ersten Warnstreik aufgerufen. Für zwei Stunden stand die gesamte Produktion der beiden Werke in Herford still.
22.03.2018
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Die Forderungen liegen auf der Hand: Ein Haustarifvertrag für den papierverarbeitenden Betrieb mit klarer Entgelttabelle durch Entgeltgruppen und Stufen sowie regelmäßigen Tarifverhandlungen.

Ziel der Aktion sei es gewesen, die Geschäftsführung des Wellpappen- und Verpackungsherstellers dazu zu bewegen, in Gespräche über einen Tarifvertrag einzutreten, sagt Jörg Esser vom Landesbezirk Westfalen. „Dazu bedarf es nun mehr Druck, denn die Arbeitnehmer möchten endlich gehört werden. Wir fordern Transparenz in der Lohngestaltung, faire Löhne und regelmäßige Entgelterhöhungen.“

Trotz wiederholten Initiativen in den vergangenen Jahren verweigert sich die Geschäftsführung, Gespräche über Tarifverhandlungen aufzunehmen. Auch nach einer Tarifdemonstration der Beschäftigten im April 2017 signalisierte der Arbeitgeber keine Verhandlungsbereitschaft. Dabei haben Gewerkschaft und Beschäftigte bisher viel Geduld bewiesen und an die Sozialpartnerschaft appelliert. Vergebens.

Der Wunsch nach Gerechtigkeit bewegt die Beschäftigten und deshalb erhält Frank Seeliger, Bezirksleiter Münster-Bielefeld viel Zustimmung, als er bei dem Warnstreik darauf hinweist, dass Tarifverträge in vielen tausend Betrieben und Unternehmen Wirklichkeit sind. „Tarifverträge sind kein Teufelswerk, sondern Vereinbarungen nach Recht und Gesetz mit der klaren Zielsetzung eines fairen und gerechten Ausgleichs zwischen den Interessen des Unternehmens nach Gewinnerzielung und dem Interesse der Beschäftigten nach guten Arbeitsbedingungen und einer angemessenen Entlohnung.“

Auch Ümit Ünal spricht sich klar für einen Haustarifvertrag aus. Für den Betriebsratsvorsitzenden und Schichtleiter geht es allerdings nicht nur darum, sondern auch um Respekt und Anerkennung. „Unser Unternehmen ist wirtschaftlich in einer sehr guten Situation und es passt nicht, wenn eine Seite immer größer und größer wird, und die andere Seite immer auf der gleichen Stelle bleibt. Das muss zusammenlaufen.“

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