Steinkohlenförderung eingestellt

Abschied vom Bergwerk West

Mit Wehmut, aber auch mit Stolz verabschieden sich die Bergleute am linken Niederrhein heute (21.Dezember) vom Steinkohlenbergbau. Mit einer Veranstaltung zur Fördereinstellung des Bergwerks West gehen in Kamp-Lintfort und der Region 100 Jahre Bergbau zu Ende.

Stefan Koch

Abschied vom Bergwerk West Abschied vom Bergwerk West
21.12.2012
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„Heute ist ein trauriger Tag“, sagte Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE, in seiner Ansprache in der Lohnhalle auf dem Bergwerk West vor geladenen Gästen aus der Politik. Denn Deutschland verzichtete mit der heimischen Steinkohle auf einen wertvollen Rohstoff und mache sich abhängig von unkalkulierbaren Entwicklungen auf dem Weltmarkt. „Ich will gleich zu Beginn deutlich sagen: Wir halten diese Entscheidung der Politik nach wie vor für falsch.“ 

Doch die Politik habe das Ende des Steinkohlenbergbaus beschlossen und die Bergleute beugen sich dieser Entscheidung – mit erhobenem Haupt. „Auch wenn wir heute einen traurigen Einschnitt in der Geschichte des Steinkohlenbergbaus markieren müssen, haben wir keinen Grund, uns mit hängenden Köpfen davon zu schleichen“, so Vassiliadis. So können Bergbau, Bergleute und ihre Gewerkschaft selbstbewusst beachtliche Leistungen vorweisen: Das Bergwerk West fördert Kohle bis zum Schluss. Das Bergwerk West setzt auf Sicherheit bis zum Schluss. „Das macht eindrucksvoll deutlich: Die Bergleute sind vertragstreu und zuverlässig“, würdigte Vassiliadis die Leistung der Bergleute und bedanke sich bei ihnen und den Betriebsräten. Nur durch die hohe Leistungsbereitschaft und Flexibilität sei ein sozialverträgliches Auslaufen des Bergbaus möglich.

  • Abschied vom Bergwerk West - 21. Dezember 2012
    Foto: 

    Stefan Koch

    Mit der Fördereinstellung des Bergwerks West gehen in Kamp-Lintfort und der Region 100 Jahre Bergbau zu Ende.

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Doch die Flexibilität und Zuverlässigkeit der Bergleute sei nicht selbstverständlich. „Deshalb haben wir jedes Recht zu verlangen, dass die Politik ihrer Führungsrolle gerecht wird“, machte Vassiliadis deutlich. „Davon kann in der Energiepolitik zurzeit aber nicht die Rede sein.“ Er forderte die Politik erneut auf, ein Energieministerium zu schaffen. „Damit würde zwar nicht alles gut, aber sicherlich manches besser.“

Am Schluss seiner Rede zeigte sich der Vorsitzende der IG BCE zuversichtlich: „Ich bin sicher wir werden Nordrhein-Westfalen als Industriestandort erhalten, wenn wir die Tugenden der Bergleute nicht vergessen: „Leistungsbereitschaft und Disziplin, Traditionsbewusstsein und zugleich Innovationsfreude, Zuverlässigkeit und Loyalität und nicht zuletzt ihre beispielhafte Solidarität.“

Als einen denkwürdigen, ja gar schwarzen Tag beschrieb Betriebsratsvorsitzender Friedhelm Vogt die Fördereinstellung kurz vor Weihnachten: „Kein Bergmann freut sich wenn ein Bergwerk stillgelegt wird, und wenn es noch das eigene ist, kann man diesen Tatbestand gar nicht mit Worten beschreiben.“

Vogt wies in seiner Ansprache vor allem auf die besondere Bedeutung des Bergbaus für Wohlstand und Entwicklung der Region hin. „Wenn wir eine ehrliche Bilanz ziehen, stellen wir fest,“, so Vogt, „wo der Bergbau sich zurückzieht, verringert sich auch mittelfristig die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse.“ Die Region stehe nach der Schließung des Bergwerks vor enormen Herausforderungen.

Verärgert zeigte sich Vogt über die Politik. „Die Brücke in das Zeitalter der Erneuerbaren Energien wird nach 2018 mit Importkohle gebaut“, sagte der Betriebsratsvorsitzende. „Was daran strukturpolitisch, energiepolitisch oder umweltpolitisch besser sein soll als diese Brücke mit der heimischen Steinkohle und ihrer Wertschöpfung hier in der Region zu bauen, muss mir erst noch jemand genau erklären.“

Zum Ende äußerte Vogt noch einen Wunsch: „Ich bin seit 39 Jahren im Bergbau beschäftigt und habe gemeinsam mit meinen Kollegen und der IG BCE entscheidende Aktionen für den Erhalt unserer Arbeitsplätze erfolgreich bestritten. Ich wünsche uns Bergleuten, dass bis 2018 keine weiteren Aktionen mehr notwendig werden.“

Bernd Tönjes, Vorstandsvorsitzender des Bergbauunternehmens RAG machte deutlich, dass die wichtigste Aufgabe nun darin bestehe, den sozialverträglichen Auslaufprozess im Bergbau verantwortungsvoll zu steuern. „Dass dieser Förderstandort 100 Jahre lang auch in schwierigen Zeiten seinen Beitrag zur Energieversorgung leisten konnte, verdanken wir hoch motivierten und fleißigen Bergleuten“, richtete sich Tönjes an die Belegschaft und erinnerte an die vielen politischen Hürden, die die Bergleute in den vergangenen Jahren nehmen mussten. „Sowohl aus kultureller Sicht als auch von der wirtschaftlichen Bedeutung her ist der Bergbau am linken Niederrhein schwer zu ersetzen“.

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